
Immer wieder falle ich in die so ziemlich tiefsten Löcher dieses Planeten. Ich liege tagelang im Bett und heule. Ich stehe eigentlich nur auf um mir die Zähne zu putzen und auf die Toilette zu gehen. Ich bin zu kraftlos etwas zu essen, unter die Dusche zu gehen oder zu sprechen. Mein Leben ergibt keinen Sinn mehr und ich stelle mir stundenlang dieselben Fragen: Wozu sind wir hier? Was ist das Leben? Kommt nach dem Tod noch etwas? Aber auch alltäglicheres, wie: Warum mag mich niemand? Wie soll ich das bloß alles schaffen? Werde ich je wieder glücklich sein?
Auf diese Fragen finde ich einfach keine schlüssige Antwort. Ich denke, dass der Körper aus Zellen besteht, die nach dem Tod einfach absterben. Paradoxer Weise habe ich jedoch eine solch unglaubliche Angst vorm Sterben, dass ich mir wünsche an etwas glauben zu können, Gott, Wiedergeburt oder an ein anderes Leben nach dem Tod. Leider lässt mein extrem realistischer Verstand dies nicht zu.
Was mir also bleibt sind Johanneskraut und Baldrian in den schwächeren Depri-Phasen und meine besonderen Lieblingen für die heftigen Zeiten, Zoloft und andere Leck-mich-am-Arsch-Pillen. Ich hab da schon eine relativ große Bandbreite durch und kann mich weiß Gott nicht mehr an alle Medikamente erinnern, welche ich in diesem Zusammenhang bereits bekommen hab.
Meine Depressionen wurden durch eine Schilddrüsenunterfunktion ausgelöst. Jahrelang hat mir kein Arzt helfen können, ich wurde von einem Therapeuten zum anderen gereicht und immer versuchten Sie mich zu therapieren, meine Kindheit war ja sooooo schlecht. Meine Mutter hat alles falsch gemacht, blablabla. Daher meine extrem starke Abneigung gegen Psychologen und Psychotherapeuten. Aber zurück zu den unfähigen Hausärzten, schließlich war es eine Neurologin, welche mir Blut abnahm, es in ein Labor sandte und letztendlich eine Schilddrüsenunterfunktion feststellte. Sie überwies mich dann zu einem Spezialisten (ja ja die gute alte Privatpatientenzeit), der wiederum stellte auch fest, das meine Schilddrüse so gar nichts tat, er wörtlich: „Bei diesen Werten, müssen Sie ein Stück Torte nur ansehen und es springt auf ihre Hüften.“ Juhu hier war sie, DIE Erklärung für jahrelanges Leiden. Ein Rezept und 2 Monate später wusste ich wieder was Lachen bedeutet.
Ihr denkt, dass war es schon? Weit gefehlt. Es gibt ja Gott sei dank diese prima Hausärzte, dank derer diese Geschichte noch weiter geht. Meine Hausärztin hatte nun also diesen unglaublichen Wunsch, mir alle halbe Jahr ein bissel Blut abzapfen zu lassen. Und immer wieder die gleiche Diagnose: „Ihre Schilddrüsenwerte sind zu hoch.“ Tja, also Medikation reduziert. Und das gleiche Spiel von vorn. Depressionen, Versagen des Immunsystems usw. Dann hab ich mal wieder den Hausarzt gewechselt und siehe einer da, sie arbeitete mal wieder nicht. Aaalsooo Medikation wieder rauf.
Seitdem bekomme ich Zoloft und es geht mir besser, besser, besser. Aaaaber ich habe 5 Jahre auf dieser Welt verbracht, ohne das mich in dieser Zeit irgendein Mensch geliebt hat und ich kann beim besten Willen nicht sagen ob ich nun für diese Zeit eine Therapie bräuchte. Da mich jedoch nie wieder irgendein Mensch therapieren wird, bleibt diese Frage wohl auf ewig unbeantwortet. Ich hoffe, dass ich trotz 5 Jahre Albträume, Selbstverletzung und Trauer die letzten 3 überwiegend glücklichen Jahre fortsetzen kann und mit meinem Mann ein schönes, ruhiges und vor allem normales Leben führen kann.
Falls Ihr noch Fragen zum Thema Depressionen habt, könnt Ihr diese gern per Mail stellen.