Obwohl unsere Zähne eine große Härte aufweisen, reagieren sie sehr empfindlich auf Säureeinwirkung. Säure löst Mineralien aus der Zahnoberfläche und macht sie so "weicher". Kommt es in diesem Zustand zu starker Reibung an den Zähnen (z. B. beim Putzen), geht die oberflächliche, erweichte Schicht verloren. Man spricht von einer Säureerosion. Da es sich hierbei um einen Vorgang handelt, der nur unter dem Mikroskop sichtbar ist, nehmen wir diesen Abrieb zunächst gar nicht wahr. Sind unsere Zähne mehrmals täglich starken Säuren ausgesetzt, wird dies zu einer Gefahr für die Zähne.
Welche Säuren sind gefährlich für die Zähne?
Eine der gefährlichsten Säuren ist die Magensäure.
Sie vermischt sich im Magen mit der Nahrung und dient dazu, den Nahrungsbrei zu desinfizieren und chemisch in kleinere Teile zu zerlegen. Beim Erbrechen wirkt diese starke Säure schädigend auf die Zähne ein.
Außerdem sind Säuren in allen Lebensmitteln und Getränken enthalten, die säuerlich schmecken:
Ob die Säuren gefährlich für die Zähne werden, hängt von ihrer Stärke und von der Häufigkeit ab, mit der sie auf die Zähne einwirken. Normalerweise gelingt es dem Speichel, den Säureangriff auf die Zähne nach der Mahlzeit langsam wieder auszugleichen, indem er den Zähnen die verlorenen Mineralien zurückgibt. Nach einem starken Säureangriff wie dem Erbrechen dauert dieser Vorgang jedoch mehrere Stunden.
Genauso gefährlich ist es, wenn die Zähne über lange Zeiträume mit der Säure in Kontakt kommen, z. B. wenn man sehr häufig Cola trinkt oder Obst isst. Noch bevor der Speichel den ersten Säureangriff ausgleichen konnte, erfolgt schon der nächste.
Mundhygiene nach dem Erbrechen oder anderen Säuerangriffen
Auf keinen Fall direkt nach dem Erbrechen die Zähne putzen!
Nach jedem Säureangriff auf die Zähne (durch Erbrechen oder säurehaltige Nahrung bzw. Getränke) mindestens eine Stunde mit dem Zähneputzen warten!
Mund mit einer neutralisierenden Flüssigkeit spülen!
Am besten eignet sich dazu eine Lösung von Natriumhydrogenkarbonat*. Man mischt dazu einen halben Teelöffel des Pulvers in ¼ Glas Wasser (am besten immer frisch anmischen). Auch eine intensive Spülung mit einem fluoridierten Mundwasser*, klarem Wasser oder Milch schützt die Zähne.
Allgemeine Tipps zur Zahnpflege
Verwenden Sie eine weiche Zahnbürste mit abgerundeten Borsten.
Üben Sie nur geringen Druck mit der Zahnbürste aus!
Verwenden Sie eine fluoridhaltige Zahncreme und einmal wöchentlich ein Fluoridgel*.
Verzichten Sie auf Zahncremes, die die Zähne aufhellen sollen! Diese enthalten in den meisten Fällen kleinste Schleifkörper, die den Substanzverlust an Ihren Zähnen noch verstärken können. Also, Vorsicht bei allen Zahncremes, die "weißere Zähne" versprechen!
Wie stelle ich fest, ob meine Zähne schon geschädigt sind?
Leider ist es sehr schwer für den Laien festzustellen, ob Säureschädigungen an seinen Zähnen vorliegen. Da die Säureschäden oftmals an der Innenseite der Oberkieferzähne beginnen, bleiben sie lange Zeit unbemerkt. Ein erstes Warnsignal ist eine gesteigerte Empfindlichkeit der Zähne bei heißen, kalten, süßen oder sauren Speisen.
Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Zahnarzt! Er unterliegt wie jeder andere Arzt auch der ärztlichen Schweigepflicht. Je offener Sie ihm Ihre Problematik darlegen, desto besser ist er in der Lage, Ihnen zu helfen. Bitte bedenken Sie, dass einmal verlorengegangene Zahnsubstanz nicht wieder nachwächst!
Typische Zahnschäden bei Bulimia nervosa
Cornelia Bodenstein: Orale Komplikationen bei bulimia nervosa
aus: ZAHN PRAX 4 (2001) 8-12
Zusammenfassung
Durch das Erbrechen sind die Zähne bulimischer Patienten besonders häufig der starken Säure des Magen ausgesetzt. Es wird angenommen, dass diese Säure typische Schäden im Mund und Kieferbereich verursacht. Zum einen sind dies Säureerosion, zum anderen Speichel- und Speicheldrüsenveränderungen.
Aufgrund der typischen Lokalisation von Säureerosionen können Zahnärzte Bulimia nervosa frühzeitig, wenn nicht sogar zuerst, diagnostizieren. Diese Säureerosionen, die einen Zahnhartsubstanzverlust bedeuten, stellen sich bei bulimischen Patienten u.a. wie folgt dar: Bereits nach kurzer Zeit weisen die Schneidekanten der Front- und Eckzähne im Unterkiefer typische Mulden auf. Nach zwei Jahren werden auch im Oberkieferbereich starke Veränderungen vor allem an den Schneidezähnen beobachtet: Verkürzungen der Schneidekanten im fortgeschrittenen Stadium, eine bogenförmige Aushöhlung der Schneidezahninnenflächen und Zahnhartsubstanzverluste bei Composite-Füllungen, wodurch die Füllungen erkennbar und erfühlbar werden.
Für die Enstehung von Säureerosionen ist die Zusammensetzung des Speichels und dessen Menge bedeutend. Bei Bulimikerinnen liegt der pH-Wert des Speichels unter dem einer gesunden Kontrollgruppe, d.h. er ist "saurer" und damit als "Reperaturmechanismus" für die Zähne weniger wirksam. So werden alle dem Speichel zukommenden Funktionen für den Erhalt der Zähne eingeschränkt, wie die Remineralisation der Zähne, die Säure-Verdünnung, die Spülwirkung und Säure-Pufferung. Die verminderten Speichelfunktionen verstärken wiederum Säureerosionen, ebenso eine verminderte Speichelproduktion.
Auch die Speichelabsonderung ist bei Bulimikerinnen vergleichsweise niedriger aufgrund einer Vergrößerung der Speicheldrüsen, die eine Begleiterscheinung sein kann. Wenn Ohrspeicheldrüse und Unterkieferspeicheldrüse vergrößert sind, produzieren sie weniger Speichel, eine für Bulimikerinnen typische Trockenheit in der Mundhöhle (bezeichnet als Xerostomie) ist die Folge. Xerostomie steht wieder in engem Zusammenhang mit einem erhöhten Kariesrisiko. Zur Häufigkeit von Karies bei Bulimikerinnen im Vergleich zu gesunden Kontrollgruppen gibt es allerdings unterschiedliche Untersuchungsergebnisse.
Worauf kann man achten?
Nach dem Erbrechen sind Flourid-Spülungen vorteilhafter als Zähneputzen, da die notwendigen demineralisierten Zahnhartsubstanzen sonst "weggeputzt" werden, die der Speichel für Remineralisierung benötigt. Vorsicht beim Genuss von säurehaltigen Nahrungsmitteln - möglichst nur wenige Male am Tag verzehren. Postiv eingeschätzt wird das Kaugummikauen, da die Speichelproduktion angeregt wird.
Zahnärzte können mit individuellen "Fluor-Therapien"; weiteren Zahnschäden vorbeugen. (siehe Patienteninfo zu Erosionen des Universitätsklinikums Gießen, Poliklinik für Zahnerhaltungskunde und Präventive Zahnheilkunde) Häufiges intensives Zähnsputzen mit horizontaler Schrubbtechnik kann zum Verlust von Zahnhartsubstanz und damit zu keilförmigen Defekten führen. Empfehlenswert ist die Verwendung von weichen und mittelharten Zahnbürsten und wenig schleifenden Zahnpasten, um eine Scheuerwirkung möglichst zu vermeiden. Außerdem gibt es eine weniger scheuernde Putztechniken, z.B. von Stillmann, die man sich vom Zahnarzt zeigen lassen kann. Ultraschallzahnbürsten ermöglichen ein schonenderes Zähneputzen.
Eine Beratung beim Zahnarzt sowie regelmäßige Kontrollen sind unbedingt empfehlenswert.
Quelle: http://ab-server.uni-leipzig.de
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